Kosten und Standarddepot: Worauf du beim Altersvorsorgedepot achten musst
Was ein Altersvorsorgedepot kostet, warum das Standarddepot höchstens 1 Prozent kosten darf und wie viel 0,2 Prozent Unterschied über 35 Jahre ausmachen. Mit Anbieterkosten Stand Oktober 2026.
Aktualisiert am . Lesezeit etwa 7 Minuten.

Kurz gesagt
- Das Standarddepot darf höchstens 1 Prozent Effektivkosten pro Jahr haben. Der Markt liegt weit darunter: viele Anbieter bei 0 bis 0,15 Prozent.
- Vier Kostenarten zählen: Depotgebühr, Sparplangebühr, Ordergebühr und laufende Fondskosten (TER). Die TER ist die wichtigste, weil sie jedes Jahr auf das gesamte Kapital wirkt.
- Ein Unterschied von 0,3 Prozentpunkten kostet bei 150 Euro Sparrate über 35 Jahre rund 20.000 Euro Endkapital.
- Achte bei Null-Euro-Angeboten auf das Kleingedruckte: Volumengrenzen, Aktionsfristen und Bedingungen ab Jahr vier.
Die vier Kostenarten
- Depotgebühr: Eine feste Gebühr pro Jahr oder ein Prozentsatz des Depotwerts. Bei fast allen Neobrokern 0 Euro.
- Sparplangebühr: Kosten je Sparplanausführung, früher oft 1,50 Euro oder 1,5 Prozent. Heute meist 0 Euro, aber manchmal fallen Spreads an, also der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
- Ordergebühr: Für Einmalkäufe und Verkäufe. Relevant, wenn du Sonderzahlungen leistest oder umschichtest.
- Laufende Fondskosten (TER): Die Gesamtkostenquote des ETFs oder Fonds, die täglich vom Fondsvermögen abgezogen wird. Welt-ETFs liegen bei 0,07 bis 0,25 Prozent, aktive Fonds bei 1 bis 2 Prozent. Einige Anbieter erstatten die TER ausgewählter ETFs, das ist der neue Preiskampf.
Alle vier zusammen ergeben die Effektivkosten, die Anbieter standardisiert ausweisen müssen. Diese Zahl ist dein wichtigster Vergleichsmaßstab.
Das Standarddepot: Pflichtprodukt mit Kostendeckel
Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten. Es besteht aus zwei vom Anbieter vorausgewählten Fonds, einem renditeorientierten (meist ein Welt-Aktien-ETF) und einem sicherheitsorientierten (meist Anleihen). Die Regeln:
- Effektivkosten höchstens 1 Prozent pro Jahr. Der Regierungsentwurf hatte 1,5 Prozent vorgesehen, der Bundestag hat den Deckel gesenkt.
- Keine gezillmerten Abschlusskosten, also keine Vorabbelastung wie bei Versicherungen.
- Abschluss online ohne Beratung.
- Automatische Risikoreduktion: fünf Jahre vor Auszahlungsbeginn höchstens 50 Prozent im Renditefonds, zwei Jahre davor höchstens 30 Prozent. Du kannst widersprechen und die Aufteilung selbst wählen.
Das Standarddepot ist für alle gedacht, die nicht selbst auswählen wollen. Es ist nicht die schlechtere Wahl: Bei Scalable Capital, Smartbroker+, flatex und Traders Place kostet es derzeit nichts oder fast nichts.
Das freie Altersvorsorgedepot
Im freien Altersvorsorgedepot wählst du selbst aus der gesetzlichen Positivliste: ETFs, Fonds, offene AIF, ELTIF und Euro-Staatsanleihen bis Risikoklasse 5. Einen Kostendeckel gibt es nicht, auch keine automatische Umschichtung. Dafür kannst du zum Beispiel einen FTSE All-World mit 0,15 Prozent TER kombinieren und bis zur Rente bei 100 Prozent Aktien bleiben.
Für Selbstentscheider ist das freie Depot meist die bessere Wahl, solange der Anbieter dieselben Konditionen bietet. Prüfe dabei vor allem die Ordergebühren, denn anders als beim Standarddepot fallen bei Einmalkäufen oft 0,99 Euro oder mehr an.
Was Kosten über 35 Jahre ausmachen
Angenommen, du sparst 150 Euro im Monat plus 540 Euro Zulage pro Jahr über 35 Jahre bei 6 Prozent Bruttorendite:
| Effektivkosten | Depotwert nach 35 Jahren | Unterschied zu 0,1 Prozent |
|---|---|---|
| 0,1 Prozent | etwa 318.000 Euro | |
| 0,3 Prozent | etwa 303.000 Euro | minus 15.000 Euro |
| 0,6 Prozent | etwa 282.000 Euro | minus 36.000 Euro |
| 1,0 Prozent | etwa 257.000 Euro | minus 61.000 Euro |
| 1,5 Prozent (Riester-Versicherung) | etwa 229.000 Euro | minus 89.000 Euro |
Jedes Zehntelprozent zählt. Deshalb ist der Preiskampf der Anbieter für dich die beste Nachricht der Reform.
Was die Anbieter verlangen (Stand Oktober 2026)
| Anbieter | Standarddepot-Kosten laut Ankündigung |
|---|---|
| Trade Republic | 0 Euro, ETF-Kosten von über 50 ETFs erstattet, ohne Enddatum |
| flatex Core | 0 Euro, Produktkosten fünf Jahre erstattet, danach maximal 0,07 Prozent |
| Scalable Capital | 0 Euro, ETF-Kosten bis Ende 2027 erlassen, danach maximal 0,15 Prozent |
| Smartbroker+ | 0 Euro, ETF-Kosten drei Jahre erstattet bis 25.000 Euro, danach unter 0,15 Prozent |
| Quirion | 0 Euro Depot, ETF-Kosten im ersten Jahr erstattet, danach 0,07 bis 0,08 Prozent |
| Deka (Sparkassen) | 0,1 Prozent |
| Deutsche Bank, Postbank (DWS) | 0,10 Prozent zwei Jahre, danach 0,28 Prozent |
| Union Investment (Volksbanken) | etwa 0,55 Prozent laut Presse |
| ING, DKB, Consorsbank, comdirect, Commerzbank, Targobank | noch nicht veröffentlicht |
Die vollständige Tabelle mit Voranmeldung, Bonus und Bewertung steht im Anbietervergleich.
Das Kleingedruckte bei Null-Euro-Angeboten
- Volumengrenzen: Smartbroker+ erstattet die ETF-Kosten nur bis 25.000 Euro Depotwert.
- Aktionsfristen: Scalable bis Ende 2027, flatex fünf Jahre, Quirion ein Jahr. Danach gelten die regulären Fondskosten.
- Bedingungen: Smartbroker+ knüpft die Erstattung ab Jahr vier an 15 Trades pro Jahr im Hauptdepot.
- Freiwillige Leistungen: Trade Republic nennt kein Enddatum, garantiert die Erstattung aber auch nicht.
- Spreads: Null Euro Ordergebühr heißt nicht null Kosten, der Handelsplatz verdient über die Kursspanne.
Beruhigend ist: Du kannst mit drei Monaten Frist zum Quartalsende wechseln. Die Kosten sind gesetzlich auf höchstens 150 Euro beim abgebenden (nur in den ersten fünf Jahren) und 150 Euro beim aufnehmenden Anbieter gedeckelt. Wenn ein Anbieter die Preise erhöht, nimmst du dein Depot mit. Mehr dazu im Ratgeber Anbieterwechsel.
Garantieprodukte: die teure Alternative
Neben dem Altersvorsorgedepot bleiben geförderte Garantieprodukte erlaubt, mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie, meist von Versicherern. Für sie gilt der 1-Prozent-Deckel nicht. Sie passen für Sparer kurz vor der Rente, die keinen Kurseinbruch mehr aussitzen können. Für alle unter 50 ist das Altersvorsorgedepot mit Standard- oder freiem Depot die günstigere Wahl.
Hinweis: Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert eines Altersvorsorgedepots kann schwanken, Verluste sind möglich. Zulagen und Steuervorteile gelten nur bei zertifizierten Produkten und regelkonformer Verwendung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Gilt der 1-Prozent-Deckel für jedes Altersvorsorgedepot?
Was sind Effektivkosten?
Was ist das staatliche Standarddepot?
Lohnt sich ein Anbieter mit 0,28 Prozent überhaupt?
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