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Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan: Die ehrliche Rechnung

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot gegenüber einem normalen ETF-Sparplan? Wir rechnen Zulagen, Steuerstundung und nachgelagerte Besteuerung gegen die Flexibilität und zeigen, für wen welche Lösung passt.

Aktualisiert am . Lesezeit etwa 8 Minuten.

Drei junge Menschen arbeiten gemeinsam an Laptops in einem Café

Kurz gesagt

  • Bei gleicher Sparrate und gleichen ETFs liegt das Altersvorsorgedepot durch Zulagen und Steuerstundung nach 35 Jahren typischerweise 20 bis 40 Prozent über dem ETF-Sparplan, auch nach nachgelagerter Besteuerung.
  • Der Preis ist die Bindung bis 65. Wer das Geld vorher braucht, zahlt die Förderung zurück.
  • Die beste Strategie für die meisten: beides. Bis 150 Euro im Monat ins Altersvorsorgedepot, darüber flexibel.
  • Nicht im Altersvorsorgedepot: Einzelaktien, Krypto, Hebelprodukte. Dafür bleibt das normale Depot.

Die Unterschiede auf einen Blick

ETF-SparplanAltersvorsorgedepot
Zulagenkeinebis 540 Euro plus 300 Euro je Kind plus 200 Euro Bonus
SteuervorteilSparerpauschbetrag 1.000 EuroSonderausgabenabzug bis 2.340 Euro
Steuer in der AnsparphaseVorabpauschale, Abgeltungsteuer bei Verkauf und Umschichtungkeine
Steuer bei Auszahlung26,375 Prozent auf Gewinne, mit 30 Prozent Teilfreistellung bei Aktienfondspersönlicher Steuersatz auf die gesamte Auszahlung
Verfügbarkeitjederzeitab 65, vorher nur mit Rückzahlung der Förderung
AnlageuniversumallesPositivliste: ETFs, Fonds, Staatsanleihen
Pfändungsschutzneinja, in der Ansparphase
Kosten0 bis 0,3 Prozent0 bis 0,3 Prozent bei Neobrokern

Die Rechnung: 150 Euro im Monat, 35 Jahre, 6 Prozent

Max ist 32, verdient 48.000 Euro und spart 150 Euro im Monat in einen Welt-ETF. Wir vergleichen beide Wege bis 67, mit 6 Prozent Rendite und 0,2 Prozent Kosten.

ETF-SparplanAltersvorsorgedepot
Eigene Einzahlungen63.000 Euro63.000 Euro
Zulagen018.900 Euro (540 Euro mal 35)
Steuererstattung zusätzlich (ca. 250 Euro pro Jahr, aufs Konto)08.750 Euro
Depotwert mit 67 vor Steuernetwa 200.000 Euroetwa 260.000 Euro
Steuer bei Auszahlungetwa 25.000 Euro (auf 137.000 Euro Gewinn, 18,5 Prozent effektiv)etwa 52.000 Euro (20 Prozent Durchschnittssteuersatz auf 260.000 Euro, verteilt über 18 Jahre)
Netto verfügbaretwa 175.000 Euroetwa 208.000 Euro plus 8.750 Euro Steuererstattung

Ergebnis: rund 40.000 Euro mehr im Altersvorsorgedepot, obwohl die gesamte Auszahlung versteuert wird. Der Grund ist der Zinseszins auf Zulagen und die gestundete Steuer. Je niedriger dein Steuersatz im Alter, desto größer der Vorsprung. Bei 30 Prozent Steuersatz im Alter schrumpft er auf etwa 15.000 Euro, bleibt aber positiv.

Die Zahlen sind Modellrechnungen ohne Inflation, ohne Krankenkassenbeiträge und mit konstanter Rendite. Im Förderrechner kannst du deine eigenen Werte eingeben.

Steuern im Detail

Im ETF-Sparplan zahlst du jedes Jahr Steuer auf die Vorabpauschale und beim Verkauf 26,375 Prozent auf den Gewinn, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung also effektiv 18,46 Prozent. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro mildert das.

Im Altersvorsorgedepot fällt in der Ansparphase nichts an. Bei der Auszahlung wird aber die gesamte Summe, nicht nur der Gewinn, mit deinem persönlichen Steuersatz belastet. Das klingt nach Nachteil, ist aber meist keiner: Du hast die Beiträge als Sonderausgaben abgesetzt, die Zulagen waren steuerfrei, und dein Steuersatz im Ruhestand ist in der Regel deutlich niedriger als heute. Wer im Alter unter dem Grundfreibetrag bleibt, zahlt gar nichts.

Der Preis der Förderung: Bindung bis 65

Das Geld im Altersvorsorgedepot ist für das Alter bestimmt. Eine Entnahme vor 65 ist möglich, kostet aber alle Zulagen und Steuervorteile und macht die Erträge steuerpflichtig. Wer mit 40 ein Haus kaufen oder mit 45 ein Sabbatical machen will, braucht dafür ein anderes Depot. Die Bindung ist zugleich ein Schutz: vor dem eigenen Zugriff in schwachen Momenten, vor Pfändung und vor der Anrechnung bei Grundsicherung.

Für wen was passt

  • Altersvorsorgedepot: alle, die förderberechtigt sind und das Geld bis 65 nicht brauchen. Besonders Eltern, Berufseinsteiger und Gutverdiener.
  • ETF-Sparplan: Sparziele vor 65, Einzelaktien, Krypto, oder wenn du schon in Rente bist. Außerdem für alles, was über 150 Euro im Monat hinausgeht, es sei denn, du willst die Steuerfreiheit der Erträge auch für höhere Beträge nutzen.
  • Weder noch: Wer keinen Notgroschen von drei Monatsgehältern hat, baut den zuerst auf.

Die Kombination

Die meisten fahren mit beidem am besten: 150 Euro im Monat ins Altersvorsorgedepot sichern die volle Grundzulage. Alles darüber geht in einen normalen ETF-Sparplan beim selben Broker. So nutzt du die Förderung voll aus und bleibst flexibel. Viele Anbieter führen beide Depots in einer App, sodass du den Überblick behältst.

Hinweis: Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert eines Altersvorsorgedepots kann schwanken, Verluste sind möglich. Zulagen und Steuervorteile gelten nur bei zertifizierten Produkten und regelkonformer Verwendung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Kann ich beides parallel machen?
Ja, und das ist für viele die beste Lösung: Altersvorsorgedepot bis 150 Euro im Monat für die volle Zulage, alles darüber in einen flexiblen ETF-Sparplan, der für Haus, Auszeit oder Notfälle verfügbar bleibt.
Darf ich dieselben ETFs im Altersvorsorgedepot kaufen wie im normalen Depot?
Weitgehend ja. Welt-ETFs wie MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World stehen auf der Positivliste. Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Krypto, Hebel-ETFs und ETCs.
Ist der Sparerpauschbetrag im Altersvorsorgedepot relevant?
Nein, weil in der Ansparphase gar keine Steuer anfällt. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro bleibt dir für das normale Depot.
Was ist, wenn die Regierung die Regeln später ändert?
Das Risiko besteht bei jedem geförderten Produkt. Die nachgelagerte Besteuerung und die Zulagen stehen im Gesetz, Änderungen würden in der Regel Bestandsschutz enthalten, wie jetzt bei Riester. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

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Quellen

  1. justETF: Altersvorsorgedepot-Rechner
  2. finanzen.net: Altersvorsorgedepot
  3. Verbraucherzentrale: Rentenchance oder Verkaufsfalle

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