Was ist das Altersvorsorgedepot? Die Reform in fünf Minuten
Das Altersvorsorgedepot ist die neue geförderte private Altersvorsorge ab 2027: ETFs statt Versicherung, bis zu 540 Euro Zulage im Jahr, keine Garantiepflicht. So funktioniert es.
Aktualisiert am . Lesezeit etwa 7 Minuten.

Kurz gesagt
- Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in dem du ab dem 1. Januar 2027 mit ETFs und Fonds für die Rente sparst.
- Der Staat zahlt bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr, bis zu 300 Euro je Kind und einmalig 200 Euro für Einsteiger unter 25. Dazu kommt ein Steuervorteil.
- Es gibt keine Garantiepflicht und keine Versicherungskosten. Das Standarddepot darf höchstens 1 Prozent kosten, die meisten Anbieter liegen bei 0 bis 0,3 Prozent.
- Ausgezahlt wird frühestens mit 65, versteuert erst dann. Riester-Neuverträge gibt es nur noch bis Ende 2026.
Definition: Was das Altersvorsorgedepot ist
Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung. Du zahlst regelmäßig ein, kaufst damit ETFs oder Fonds, und der Staat legt Zulagen obendrauf. Erträge bleiben bis zur Rente steuerfrei. Im Gegenzug ist das Geld für das Alter gebunden: Vor 65 kommst du nur mit Verlust der Förderung heran.
Geregelt ist das Ganze im Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundestag hat es am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat am 8. Mai 2026 zugestimmt, verkündet wurde es am 29. Mai 2026. Die Kernregeln gelten ab dem 1. Januar 2027. Ab diesem Tag dürfen Banken, Broker, Fondsgesellschaften und Versicherer zertifizierte Altersvorsorgedepots anbieten.
Merksatz: Das Altersvorsorgedepot ist das, was Riester hätte sein sollen. Dieselbe Idee, nämlich Zulagen plus Steuervorteil, aber ohne Garantiezwang, ohne Versicherungsmantel und mit echten Aktien-ETFs.
Warum es die Reform gibt
Die Riester-Rente ist seit 2002 die geförderte private Vorsorge. Sie hat drei Konstruktionsfehler: Die Pflicht zum Beitragserhalt zwang Anbieter in sichere, renditearme Anlagen. Die Produkte waren teuer und unübersichtlich. Und am Ende musste das Kapital verrentet werden, oft zu schlechten Konditionen. Die Folge: Rund 16 Millionen Verträge, viele davon beitragsfrei gestellt, und seit Jahren kaum Neuabschlüsse.
Die Regierung wollte deshalb ein Produkt, das junge Menschen tatsächlich nutzen: digital abschließbar, günstig, mit Aktienrendite. Das Vorbild sind schwedische und amerikanische Modelle, bei denen das Vorsorgesparen in Fonds normal ist. Das Altersvorsorgedepot übernimmt diese Logik und verbindet sie mit dem bekannten deutschen Zulagensystem.
So funktioniert es in drei Schritten
- Du eröffnest ein zertifiziertes Depot. Zertifiziert heißt: Das Bundeszentralamt für Steuern hat geprüft, dass das Produkt die gesetzlichen Regeln einhält. Nur dann gibt es Zulagen. Ein normales Broker-Depot reicht nicht.
- Du zahlst ein, der Staat zahlt dazu. Mindestens 120 Euro im Jahr, gefördert bis 1.800 Euro. Die Zulagen beantragt dein Anbieter automatisch bei der Zentralen Zulagenstelle, sie landen direkt im Depot.
- Du lässt das Geld arbeiten. Keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, keine Steuer auf Umschichtungen. Erst bei der Auszahlung ab 65 wird mit deinem persönlichen Steuersatz abgerechnet.
Die Förderung im Überblick
| Baustein | Höhe | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundzulage | 50 Cent je Euro bis 360 Euro, dann 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro, maximal 540 Euro | Mindestens 120 Euro Eigenbeitrag |
| Kinderzulage | 1 Euro je Euro Eigenbeitrag, bis 300 Euro je Kind | Kindergeldanspruch, nur ein Elternteil |
| Berufseinsteiger-Bonus | Einmalig 200 Euro | Abschluss vor dem 25. Geburtstag |
| Ehegattenzulage | Bis 175 Euro | Eigener Vertrag des mittelbar berechtigten Partners |
| Sonderausgabenabzug | Eigenbeitrag plus Zulagen bis 2.340 Euro | Günstigerprüfung durch das Finanzamt |
Ein Beispiel: Du bist 24, sparst 150 Euro im Monat und hast keine Kinder. Du zahlst 1.800 Euro ein und bekommst 540 Euro Grundzulage plus einmalig 200 Euro Bonus. Im ersten Jahr landen also 2.540 Euro im Depot, davon 740 Euro vom Staat. Wie sich das bis zur Rente entwickelt, zeigt dir der Förderrechner.
Was du kaufen darfst
Das Gesetz enthält eine Positivliste. Erlaubt sind ETFs und klassische Publikumsfonds, offene Immobilien- und Infrastrukturfonds (AIF und ELTIF) sowie Euro-Anleihen öffentlicher Emittenten. Alle Fonds müssen in der Risikoklasse 1 bis 5 von 7 liegen. Ein MSCI World oder FTSE All-World ETF erfüllt das problemlos.
Nicht erlaubt sind Einzelaktien, Kryptowährungen und Krypto-ETPs, Derivate, Hebelprodukte, Zertifikate, Unternehmensanleihen, Gold-ETCs und geschlossene Fonds. Wer Einzelaktien oder Bitcoin will, macht das weiter im normalen Depot ohne Förderung.
Standarddepot oder freies Depot
Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten. Es besteht aus zwei vorausgewählten Fonds, einem renditeorientierten und einem sicherheitsorientierten. Fünf Jahre vor der Auszahlung wird automatisch auf höchstens 50 Prozent Renditefonds umgeschichtet, zwei Jahre davor auf höchstens 30 Prozent. Die Effektivkosten dürfen 1 Prozent pro Jahr nicht übersteigen, und der Abschluss muss online ohne Beratung möglich sein.
Das freie Altersvorsorgedepot lässt dich selbst aus der Positivliste wählen. Hier gibt es keinen Kostendeckel, aber bei den meisten Neobrokern kostet es genauso wenig wie das Standarddepot. Welche Variante du nimmst, hängt davon ab, ob du selbst auswählen willst. Mehr dazu im Ratgeber Kosten und Standarddepot.
Auszahlung und Steuern
Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65. Du hast drei Optionen: einen Auszahlungsplan, der mindestens bis 85 läuft und dessen Restkapital vererbbar ist, eine lebenslange Rente über einen Versicherer oder eine Kombination. Bis zu 30 Prozent des Kapitals kannst du dir zu Beginn auf einmal auszahlen lassen, ohne die Förderung zu verlieren.
Versteuert wird nachgelagert: Was du in der Auszahlphase bekommst, zählt als Einkommen und wird mit deinem dann gültigen Steuersatz belastet. Weil Rentner meist weniger verdienen als Berufstätige, ist das in der Regel ein Vorteil. Ausführlich im Ratgeber Auszahlung und Steuern.
Für wen es sich lohnt
- Berufseinsteiger unter 25: 200 Euro Bonus, Jahrzehnte Zinseszins. Kaum ein Produkt ist in diesem Alter attraktiver.
- Eltern: Jedes Kind bringt bis zu 300 Euro Zulage pro Jahr. Mit zwei Kindern und 100 Euro Sparrate liegt die Förderquote über 80 Prozent.
- Gutverdiener: Der Sonderausgabenabzug auf 2.340 Euro bringt bei 42 Prozent Grenzsteuersatz mehr als die Zulage, das Finanzamt erstattet die Differenz.
- Selbstständige und Freiberufler: Erstmals unmittelbar förderberechtigt, bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres. Beamte sind wie bisher berechtigt.
- Weniger geeignet: Wer das Geld vor 65 braucht, wer schon in Rente ist, oder wer eine Kapitalgarantie will. Für die letzte Gruppe gibt es geförderte Garantieprodukte.
Nächste Schritte
Bis zum Start am 1. Januar 2027 kannst du drei Dinge tun: Erstens die Förderung für deine Situation mit dem Rechner durchspielen. Zweitens im Anbietervergleich schauen, wer schon Konditionen genannt hat, und dich bei einem Anbieter unverbindlich vormerken lassen. Drittens, wenn du einen Riester-Vertrag hast, den Ratgeber Altersvorsorgedepot oder Riester lesen, bevor du irgendetwas kündigst.
Hinweis: Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert eines Altersvorsorgedepots kann schwanken, Verluste sind möglich. Zulagen und Steuervorteile gelten nur bei zertifizierten Produkten und regelkonformer Verwendung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Ist das Altersvorsorgedepot dasselbe wie die Frühstart-Rente?
Brauche ich einen Berater für den Abschluss?
Was passiert mit meinem Geld, wenn der Anbieter pleitegeht?
Kann ich das Altersvorsorgedepot auch mit 50 noch sinnvoll nutzen?
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Quellen
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