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Altersvorsorgedepot oder Riester: Behalten, umstellen oder übertragen?

Was ab 2027 mit deinem Riester-Vertrag passiert, welche drei Wege es gibt und wann sich die Übertragung ins Altersvorsorgedepot lohnt. Mit Vergleichstabelle und Fristen.

Aktualisiert am . Lesezeit etwa 8 Minuten.

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Kurz gesagt

  • Riester-Neuverträge gibt es nur noch bis zum 31. Dezember 2026. Bestandsverträge laufen mit voller Förderung weiter.
  • Ab 2027 hast du drei Wege: behalten, beim Anbieter auf die neue Förderung umstellen (Garantie bleibt) oder das Kapital in ein Altersvorsorgedepot übertragen (Garantie entfällt, Zulagen bleiben).
  • Niemals einfach kündigen: Dann sind alle Zulagen und Steuervorteile weg.
  • Wechselkosten: abgebender Anbieter höchstens 150 Euro bei Verträgen unter fünf Jahren, aufnehmender Anbieter höchstens 150 Euro Pauschale. Kündigungsfrist drei Monate zum Quartalsende, erster realistischer Übertragungstermin ist der 1. Juli 2027.
  • Lohnt sich bei langer Restlaufzeit und teurem Altvertrag fast immer. Kurz vor der Rente kann die Garantie wertvoller sein.

Was sich für Riester-Sparer ändert

Rund 16 Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland. Für sie gilt ab 2027 Bestandsschutz: Wer nichts tut, bekommt weiter die alte Förderung mit 175 Euro Grundzulage, Kinderzulage und Sonderausgabenabzug bis 2.100 Euro. Die Garantie bleibt, die Verrentungspflicht bleibt, die Kosten bleiben.

Neu abschließen kannst du Riester nur noch bis zum 31. Dezember 2026. Danach ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für Neuverträge, und bestehende Verträge können freiwillig in die neue Welt wechseln.

Riester und Altersvorsorgedepot im Vergleich

RiesterAltersvorsorgedepot
Grundzulage175 Eurobis 540 Euro
Kinderzulage300 Euro fix (185 Euro für Kinder vor 2008)bis 300 Euro, beitragsabhängig
Mindestbeitrag4 Prozent vom Vorjahresbrutto, mindestens 60 Euro120 Euro
Beitragsgarantie100 Prozent Pflichtkeine (optional Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent)
AnlageVersicherung, Banksparplan, Fondssparplan mit GarantieETFs, Fonds, Staatsanleihen frei wählbar
Kostenoft 1 bis 2,5 ProzentStandarddepot maximal 1 Prozent, Markt 0 bis 0,3 Prozent
AuszahlungRente, Restkapital mit 85 zwangsverrentetAuszahlungsplan bis 85 oder länger, Rente oder Mix, Rest vererbbar
Einmalauszahlung30 Prozent30 Prozent
Steuernnachgelagertnachgelagert

Die drei Wege ab 2027

  1. Behalten. Nichts tun, alte Förderung läuft weiter. Sinnvoll, wenn du kurz vor der Rente stehst und die Garantie brauchst, oder wenn dein Vertrag günstig ist und gut läuft.
  2. Umstellen beim bisherigen Anbieter. Du erklärst deinem Anbieter, dass du in die neue Fördersystematik wechseln willst. Seine Zustimmung ist nicht nötig. Anlageform und Garantie bleiben, aber du bekommst die neuen, höheren Zulagen. Die Umstellung ist unwiderruflich.
  3. Übertragen in ein Altersvorsorgedepot. Du eröffnest ein Altersvorsorgedepot und lässt das Riester-Kapital dorthin übertragen. Bisherige Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, die Übertragung löst keine Steuer aus. Die Garantie entfällt, dafür investierst du günstig in ETFs.

Der vierte Weg, die Kündigung mit Auszahlung, ist fast immer falsch: Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden, und die Erträge werden auf einen Schlag steuerpflichtig.

So läuft die Übertragung

  1. Eröffne zuerst das neue Altersvorsorgedepot. Ohne bestehenden Zielvertrag geht nichts.
  2. Kündige den Riester-Vertrag mit Übertragungsverlangen. Rechtlich ist das eine Kündigung, formlos möglich, die Frist beträgt drei Monate zum Quartalsende.
  3. Der alte Anbieter überträgt das Kapital direkt an den neuen. Er darf in den ersten fünf Vertragsjahren bis zu 150 Euro berechnen, danach nichts mehr; der neue Anbieter darf eine Pauschale von bis zu 150 Euro nehmen.

Weil das Altersvorsorgedepot erst ab dem 1. Januar 2027 existiert, kannst du frühestens dann kündigen. Mit der Dreimonatsfrist zum Quartalsende ist der erste realistische Übertragungstermin der 1. Juli 2027, wenn du bis zum 31. März 2027 kündigst.

Wann sich der Wechsel lohnt

Dafür spricht: lange Restlaufzeit (mehr als zehn Jahre), hohe Kosten im Altvertrag, Garantie aktuell über dem Wert des Vertrags, Wunsch nach Aktienrendite, höhere Zulagen bei hohem Eigenbeitrag.

Dagegen spricht: weniger als fünf bis acht Jahre bis zur Rente, ein Vertrag mit hohem Garantiezins aus den 2000er Jahren, ein bereits ausfinanzierter Fondsvertrag mit niedrigen Kosten, Wohn-Riester.

Die Deutsche Bank rät ausdrücklich davon ab, Riester-Verträge pauschal aufzulösen. Die ING zeigt in einer Modellrechnung, dass bei 25.000 Euro Guthaben und 100 Euro Monatsbeitrag über 20 Jahre der Wegfall der Garantie plus höhere Kosten die höhere Förderung aufzehren kann. Beide Hinweise kommen von Anbietern mit eigenem Interesse. Rechne deshalb selbst nach.

Beispielrechnung

Anna, 35, hat einen Riester-Fondssparplan mit 1,6 Prozent Kosten, 20.000 Euro Guthaben und zahlt 150 Euro im Monat. Noch 32 Jahre bis 67.

Riester behaltenÜbertragen ins Altersvorsorgedepot
Zulage pro Jahr175 Euro540 Euro
Kosten pro Jahr1,6 Prozent0,2 Prozent
Rendite vor Kosten4 Prozent (Garantieanteil)6 Prozent
Kapital mit 67etwa 125.000 Euroetwa 295.000 Euro

Modellrechnung mit konstanten Renditen, ohne Steuer. Sie zeigt den Hebel aus Zulage, Kosten und Aktienquote über drei Jahrzehnte. Bei fünf Jahren Restlaufzeit sähe das Ergebnis ganz anders aus.

Noch 2026 einen Riester-Vertrag abschließen?

Für die allermeisten nein. Der einzige Grund wäre, einen Garantiezins zu sichern, den es im Altersvorsorgedepot nicht gibt. Die aktuellen Riester-Produkte bieten aber kaum noch Garantiezins, dafür hohe Kosten. Wer 2026 noch fördern will, wartet besser auf den 1. Januar 2027 und zahlt dann für 2027 ein, die Zulage gibt es auch bei Einzahlung im Dezember in voller Höhe.

Hinweis: Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert eines Altersvorsorgedepots kann schwanken, Verluste sind möglich. Zulagen und Steuervorteile gelten nur bei zertifizierten Produkten und regelkonformer Verwendung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Riester-Vertrag einfach kündigen?
Du kannst, solltest aber nicht. Bei einer Kündigung ohne Übertragung musst du alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen und die Erträge versteuern. Das ist die teuerste aller Varianten.
Bis wann kann ich einen Riester-Vertrag abschließen?
Bis zum 31. Dezember 2026. Ab 2027 gibt es nur noch das Altersvorsorgedepot und die neuen Garantieprodukte. Für die meisten lohnt sich der Riester-Abschluss 2026 nicht mehr.
Verliere ich Zulagen, wenn ich übertrage?
Nein. Bisherige Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten, die Übertragung löst keine Steuer aus. Nur die Garantie des alten Vertrags entfällt, wenn du in ein Altersvorsorgedepot wechselst.
Was ist mit Wohn-Riester?
Eine direkte Übertragung von Wohn-Riester (Eigenheimrente) in ein Altersvorsorgedepot ist nach aktuellem Stand nicht vorgesehen. Bestehende Verträge laufen unverändert weiter.
Kann ich einen beitragsfreien Riester-Vertrag übertragen?
Ja, auch ruhende Verträge lassen sich übertragen. Gerade bei beitragsfrei gestellten Verträgen mit hohen Kosten kann sich das lohnen.

Weiterlesen

Quellen

  1. finanzen.net: Riester-Rente umwandeln
  2. finanzen.net: Riester-Vertrag übertragen, Fristen
  3. ING: Riester-Wechsel mit Modellrechnung
  4. DWS: Information für Riester-Sparer
  5. Handelsblatt: Altersvorsorgedepot für Riester-Sparer

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